Keiner fürchtet Andreas H.

Kammerkonzert im hr-Sendesaal:

Es mutete eigentümlich an, das Motto des Kammerkonzerts des Hessischen Rundfunks im Sendesaal: „Wer hat Angst vor Andreas H.?“ las man auf der Titelseite des Programmhefts. Gemeint war Andreas Hepp, Perkussionist im hr-Sinfonieorchester und Hauptakteur des Abends. Bis zum Ende des Konzerts aber war eigentlich immer noch nicht klar, worin nun eigentlich die Pointe bei der Anlehnung an das Zitat vom bösen Wolf bestehen sollte.

Es war im Grunde ein Porträt des vielseitigen Musikers Andreas Hepp (Jahrgang 1969), das man an diesem Abend erlebte, des Perkussionisten, Komponisten und Pianisten. In wenigstens einer dieser Funktionen war Hepp bei jedem der fünf Kammermusikwerke des Abends ins Geschehen einbezogen. Mit dabei waren John Stobart und Gerda Wind-Sperlich (Horn), Elisabeth Krause-Stephan (Violine), die Cellistin Christiane Steppan und der Klarinettist Ulrich Büsing. In einem Trio für zwei Hörner und Pauken von Daniel Pinkham erlebte man Andreas Hepp als einfühlsam agierenden Paukisten; auch die reizvollen Fernwirkungen der Hörner im Echo-Satz dürften hier in Erinnerung geblieben sein. Im einsätzigen Terzetto für zwei Hörner und Klavier von Carl Oestreich, der 1826 Hornist im Frankfurter Opernorchester wurde, übernahm Hepp den Klavierpart und zeigte sich in dieser hübschen, dem Salon nicht allzu fernen Komposition mit ihren ausgedehnten Klavier-Zwischenspielen als gediegener Pianist. Reizvolle Farben in zunächst sehr gegensätzlichen Klangwelten entfalteten Horn und Becken in der „Monody“ des finnischen Komponisten Jarmo Sermilä – verbindend wiederum wirkten dann der warme Klang von Gong und Tamtam. Hin und wieder mochte man bei Bohuslav Martinus musizierfreudigem Quartett für Klarinette, Horn, Violoncello und kleine Trommel ein wenig Strawinsky oder Ravel heraushören – die kleine Trommel hat hier eher begleitende Funktion.

Andreas Hepps Septett für Violine, Violoncello, Bassklarinette, zwei Hörner, Klavier und Schlagzeug war eine Uraufführung – eine gelungene zudem. In schlüssiger Dramaturgie erlebte man große Kantilenen, wilde Eruptionen und – mit Bassklarinette und Marimba – überaus aparte Farben. Pauken und Marimbaphon setzten Akzente in der Klanglichkeit des Werks, Violine und Cello bedachte Hepp mit virtuosen, eindrucksvollen Begleitpassagen. Trotz seiner Ausbrüche blieb insgesamt ein eher elegisches, fast ein wenig melancholisches, im Melos mitunter ein wenig jüdisch angehauchtes Werk in Erinnerung. Wer also hat nun Angst vor Andreas H.? So, kann man ihn an diesem Abend musikalisch kennenlernte, als einen Musiker, der sein Können feinsinnig und unprätentiös in den Dienst der Musik stellt – wohl niemand.

JOACHIM WORMSBÄCHER

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© Andreas Hepp